Probeneingang bis Befund

Die Gewebeproben stammen aus Praxen diverser Fachgruppen und von Krankenhäusern aus der Umgebung.
Das Fixativ für das Gewebe ist in der Regel Formalin (4%). Dadurch wird ein optimaler Erhaltungszustand der Probe erreicht, d.h. eine Autolyse (Gewebezersetzung) wird somit verhindert.

Den entsprechenden Einsendern werden spezielle Versandgefäße und vorfrankierte Versandtüten über unseren Fahrdienst oder per Post zugestellt, d.h. für die Transportkosten ist in der Regel der Pathologe zuständig.

Auf den mitgelieferten Histologiebegleitscheinen sollten die wichtigsten klinischen Daten durch den Einsender vermerkt werden, da bei der Interpretation der histologischen Veränderungen stets auch das klinische Bild berücksichtigt werden sollte. Grundsätzlich muss seitens des Klinikers immer auf eine optimale Fixierung nach Gewebeentnahme geachtet werden. Davon hängt ganz wesentlich die Aussagekraft bei der pathoanatomischen Begutachtung ab. Autolytisch verändertes Gewebe kann meistens nicht mehr hinreichend beurteilt werden ! In unserer Praxis werden wir täglich auch von Fahrdiensten unserer Einsender angefahren, wobei es sich hier durchweg um Transporte von Proben aus Krankenhäusern handelt (Agaplesion Elisabethenstift,  Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt).

Nach dem Eingang der Proben werden diese einer sog. Probeneingangsprüfung unterzogen, bei der die Angaben auf dem sog. Histologiebegleitschein mit denen auf dem Einsendegefäß verglichen werden. Besteht keine Übereinstimmung kann die Probe nicht weiter bearbeitet werden.

Es muss stattdessen Rücksprache mit dem Einsender genommen werden, um den Sachverhalt zu klären. Besteht keine Diskrepanz, so werden die Einsendegefäße den entsprechenden Histologiebegleitscheinen und/oder Überweisungsscheinen zugeordnet, die die Patientendaten sowie die klinischen Angaben enthalten. Dem entsprechenden Eingangsfall wird anschließend eine Barcode-Nummer zugewiesen. Über diese Nummer erfolgt auch die Aufnahme des Patienten in die EDV-Anlage der Praxis, die sog. Stammdatenaufnahme. Mittels dieser Histologie-Nummer (= H-Nr.) ist der Patient im EDV-System eindeutig erfasst, d.h. Verwechslungen sind anschließend ausgeschlossen.

Im Anschluss erfolgt der sog. Zuschnitt der Gewebeprobe, in dessen Verlauf auch die eingegangene Gewebeprobe gemessen und beschrieben wird. Bei diesem Arbeitsprozess werden die Gewebeproben in sog. Einbettkassetten gegeben, die jeweils mit der zugehörigen H-Nummer beschriftet werden. die Bei Großresektaten, z.,B. bei Dickdarmteilresektaten werden dabei nur die Areale einer weiteren feingeweblichen Untersuchung zugeführt, die für die Einstufung des Erkrankungsbildes entscheidend sind.  Sind die Proben hingegen klein genug (z.B. Magen-Darmbiopsien, kleine Exzisate ) werden diese komplett eingebettet und der weiteren Aufarbeitung zugeführt. Die entsprechenden Kapseln mit den darin befindlichen Gewebeproben (max. 1-2 cm Kantenlänge, 3-4 mm Dicke) werden nach dem Zuschnitt über Nacht in ein gesondertes Entwässerungs- und Einbettungsgerät  (Pathcenter) gegeben, welches die Aufgabe hat, die eingekapselten Proben gut zu fixieren ( 4%iges Formaldehyd 30 Grad C) , über eine aufsteigende Alkoholreihe zu entwässern und am Schluss mit flüssigem, 60 Grad heißem Paraffin zu durchtränken, um eine Schnittfähigkeit der Probe zu erzielen.

Ausgießen:

Am darauffolgenden Morgen erfolgt  das Ausgießen, bei dem die gehärteten Proben mit flüssigem Paraffin  zu Blöcken gegossen werden. Die entsprechenden Paraffinblöcke lagern im Anschluss, chronologisch sortiert,  auf einer Kühlplatte, damit das Flüssigwachs eine schnelle Abkühlung erfährt.

Schneidetechnik:

Mittels eines sog. Mikrotoms (=besonderes Schneidegerät zur Anfertigung von Gewebeschnitten)  werden die gehärteten Paraffinblöcke mit den darin gebundenen Gewebeproben geschnitten. Die gewonnenen hauchdünnen Schnittpräparate werden in einem Wasserbad gestreckt, auf Glas-Objektträger aufgezogen und anschließend mit der entsprechenden H-Nr. ( = Eingangsnummer) beschriftet. Somit ist der Schnitt eindeutig zugeordnet !

Färbetechnik:

Abhängig von der Fragestellung werden die Schnittpräparate  der Routine-H&E-Färbung und gegebenenfalls Sonderfärbungen unterzogen.

Nach dem Aufziehen der noch paraffinbehafteten Schnitte wird in einem Brutschrank das Paraffin gelöst (sog. Entparaffinierung der Schnittpräparate). Im Anschluss werden die entsprechenden Färbeschritte durchgeführt. Der Färbeaufwand ist sehr unterschiedlich und erfolgt teils maschinell, teils manuell.

Eine ganz besondere Färbetechnik ist die sogenannte immunhistologische Aufarbeitung von Gewebeproben. Dabei handelt es sich um den Nachweis von bestimmten Zell-Strukturen durch den Einsatz sog. spezifischer Antikörper die gegen diese Antigenstrukturen gerichtet sind. Dadurch können sehr häufig Tumore zunächst unklarer Herkunft eindeutig klassifiziert werden, was wiederum für die weitere Therapie in der Regel ganz entscheidend ist. Dieses Färbeverfahren wird in unserer Praxis streng standardisiert mittels eines Färbeautomaten (Autoimmunstainer der Firma DAKO, Hamburg) durchgeführt. Unter dieses Färbeverfahren fallen z.B. auch die Hormonrezeptor-Bestimmungen bei Krebserkrankungen der weiblichen Brustdrüse, der Eierstöcke und der Gebärmutterschleimhaut und die sog. HER-2-Rezeptoranalyse bei fortgeschrittenen Brustkrebserkrankungen mit Ausbildung von Tochtergeschwülsten (sog. Metastasen).

Diese Methoden sind sehr kostenintensiv, sind jedoch aufgrund ihres hohen Aussagewertes aus der täglichen Diagnostik nicht mehr wegzudenken.

Lieferung der Eingangsfälle:

Sind die entsprechenden Färbungen abgeschlossen und die entsprechenden Präparate mit sog. Deckgläschen versehen worden, werden die Fälle mitsamt der Patientendaten zunächst am sog. „Lieferplatz“ sortiert und dann den diagnostizierenden Fachärzten Dr. Esinger und Dr.Reichel geliefert.

Begutachtung:

Dieser Schritt erfolgt durch die beiden Fachärzte. Dabei spielt das Lichtmikroskop eine ganz entscheidende Rolle, denn nur mittels dieser Einrichtung können die entsprechenden Schnitte auch befundet werden.

Am Ende steht die sog. „ Pathoanatomische Begutachtung „ der Proben, in der es darum geht, eine eindeutige Diagnose zu stellen, das Gewebe also zu klassifizieren und am Ende der Begutachtung zu vermerken, ob es sich um eine gutartige (benigne) oder bösartige (maligne) Läsion  handelt. Dieser Hinweis ist für den Einsender ganz entscheidend, da davon abhängt, ob eine weitere Therapie erfolgen muss. Das Diktat der morphologischen Veränderungen erfolgt in unserer Praxis über eine digitale Spracherkennung, ein hochmodernes System, bei dem der PC bzw. das EDV-Programm die Sprache des Befunders „erlernt“ und diese dann in Schrift umsetzt. In unserer Praxis liegt die Erkennungsquote bei ca. 95 % ! Nach dem Ausdruck der Befundtexte werden diese von den zuständigen Fachärzten nochmals kontrolliert und dann per Unterschrift für die Übermittlung and die Einsender freigegeben.

Körperflüssigkeiten (extragynäkologische Proben) müssen nicht geschnitten werden, sondern können gegebenenfalls nach Zellanreicherung durch Zentrifugation direkt gefärbt werden.

Wir erhalten diese Proben in 2 Varianten:

1.  Luftgetrocknete Präparate: Hier hat der Einsender vom Punktat bereits in der Regel Ausstriche angefertigt, die meistens einer Lufttrocknung unterzogen wurden. Es wird die Zahl der eingesandten Objektträger dokumentiert .

2.  Punktatflüssigkeiten in nativer Form: Diese Proben erhalten wir entweder im Punktatbehältnis (z.B. Redonflasche, Beutel, Urinbecher) oder in von uns zur Verfügung gestellten EDTA-Röhrchen, um eine Agglutination zu verhindern. Es wird der makroskopische Eindruck des Punktates dokumentiert ( ml-Menge, Farbe). Nach der Zentrifugation werden Sediment- oder Ausstrichpräparate angefertigt.

Bei beiden Varianten wird primär eine HE-Färbung durchgeführt, evtl. gefolgt von weiteren Sonderfärbungen bzw. immunzytochemischen Färbungen. Ein weiteres breites Feld der täglichen Diagnostik in unserer Praxis ist das Screenen von gynäkologischen Abstrichpräparaten (sog.Vorsorgezytologie). Dabei handelt es sich um die Zusendung von Abstrichproben aus dem Bereich des Muttermundes von Patientinnen ganz verschiedenen Alters. Die Logistik erfolgt über unseren praxiseigenen Fahrdienst.

Die Aufarbeitung dieser Präparate dient dazu, Krebsvorstadien (sog. Dysplasien) im Bereich des weiblichen Genitale möglichst frühzeitig zu erfassen, um die Entstehung eines invasiven Tumors zu verhindern. Die färbetechnische Aufbereitung der Proben erfolgt durch speziell ausgebildete, zertifizierte Mitarbeiterinnen (Zytologieassistentinnen). In unserer Praxis handelt es sich dabei um Mitarbeiterinnen, die das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Zytologie (DGZ) aufweisen und / oder das der Internationalen Akademie für Zytologie (IAC). Wir stellen dadurch eine Diagnostik auf hohem Niveau sicher.

In der Probeneingangsprüfung werden die Angaben der Begleitscheine mit den Beschriftungen der Präparate verglichen. Alle Präparate werden nach Erfassung der Stammdaten und Abschluss der sog. Pap-Färbung (benannt nach Papanicolaou, der diese Färbung eingeführt hat)  mittels eines speziellen Färbeautomaten (Varistain) von den zuständigen Zytologieassistentinnen vorgescreent. Dies bedeutet, dass sich die geschulten CTAs zunächst die Präparate im Lichtmikroskop anschauen und ggf. die Areale markieren, die auffällig erscheinen.

Diese fraglich oder auch eindeutig positiven Fälle werden dann im Anschluss an einer Mikroskop-Diskussionseinrichtung gemeinsam analysiert und diskutiert mit dem Ziel, eine eindeutige sog. Pap-Gruppe (nach der Münchner Nomenklatur) anzugeben. Dabei sind die Pap-Gruppen I und  II als harmlos einzustufen, während die Pap-Gruppen III D  und  IVA /B auffällige, dysplastische Zellen aufweisen, so dass es hier einer näheren Abklärung bedarf. Bei der Pap-Gruppe III D reicht zunächst eine Abstrichkontrolle in 3-6 Monaten aus, während bei der Gruppe IV a und IV b in der Regel eine weitere histologische Abklärung ( Konisation) erfolgt.   Bei der Pap-Gruppe V handelt es sich hingegen um eindeutige Tumorzellen, d.h. dass sich hier bereits zytologisch ein Cervix-Carcinom diagnostizieren läßt.

Alle Patientinnen aus der Gruppe der Vorsorgezytologie werden in unserer Praxis per EDV erfasst und auch gespeichert. Die Befundübermittlung erfolgt per Post bzw. Fax (bei positiven, auffälligen Befunden), durch den praxiseigenen Fahrdienst oder elektronisch per Datenfernübertragung. Die Art der Befundübermittlung kann der Einsender frei wählen. Die Datenspeicherung erfolgt mindestens über 10 Jahre.  Alle positiven Fälle, also Fälle mit auffälligen Pap-Befunden, werden in einem separaten Archiv gelagert, um möglichst einen schnellen Zugriff zu gewähren.

In unserer Praxis gilt die Pap-Färbung als Grundlage für das Screening-Verfahren in Anlehnung an die Empfehlung und Grundsatzerklärung der Deutschen Gesellschaft für Zytologie (DGZ). Siehe „Informationen – Deutsche Gesellschaft für Zytologie“ Auf Wunsch der Einsender oder auch Patienten können wir jedoch alternative technische Aufarbeitungsmodalitäten sowie ergänzende Untersuchungen anbieten (Dünnschichtzytologie, HPV-Typisierung). Diese Methoden werden außerhalb unserer Praxis von Kollegen durchgeführt, mit denen wir sehr eng konsiliarisch zusammenarbeiten.